Vereinsgeschichte


Vor über 105 Jahren bekam Maulbronn eine Stadtkapelle. 30 Jahre lang, von 1893 an, erfüllte diese Stadtkapelle ihren Dienst für Maulbronn, ohne dass jemand eingefallen wäre, etwas daran zu ändern. Dann aber taten sich junge Leute aus purer Lust zum Musizieren zusammen. Mit einer großen Portion Optimismus und viel Begeisterung gründeten sie 1923 unter Wilhelm Jaberg einen Musikverein. Wie groß ihre Liebe zur Musik gewesen sein muss, geht daraus hervor, dass jeder dieser aktiv werdenden Volksmusiker selber alte Instrumente kaufte, und jeder von ihnen das Geld aufbrachte, das notwendig war, um den Bestand der Kapelle zu sichern. Und schließlich mußte auch der Dirigent bezahlt werden.

 

- Zwei Kapellen waren zuviel
- In der Reihe der Vorstände
- Statt Instrumente Schippe und Haue
- Schwierige Zeiten
- Sechs gingen nach Amerika
- Wiedergründung mit viel Idealismus
- Bau eines Vereinsheims
- Gesamtleistungen beim Bau des Vereinsheims
- Erste Jugendgruppe 1966
- Zweite Jugendgruppe April 1974
- Neue Jugendgruppe Oktober 1980
- 60 jähriges Jubiläum
- Kurz und Knapp

 

Zwei Kapellen waren zuviel

So wuchs die Musikvereinskapelle zu einem Klangkörper heran, der mit der Stadtkapelle in einen edlen Wettstreit trat. Beim Musikfest der Stadtkapelle im Jahre 1924 trat die Musikvereinskapelle erstmals vor die Öffentlichkeit und erspielte sich Preis und Anerkennung. Von diesem Zeitpunkt an wurde sie ernst genommen, gleichzeitig aber rang sich die Überzeugung durch, daß zwei Musikkapellen für Maulbronn zuviel sind, und es wohl das Vernünftigste wäre, wenn sich die beiden Kapellen zu einer vereinigten. Zu jener Zeit, als die Stadtkapelle von Ernst Jaggy und die des Musikvereins von Gustav Haug aus Schmie dirigiert wurde, erfolgte die Zusammenlegung innerhalb der Organisationsform des Musikvereins. Das geschah etwa um das Jahr 1926.

Einträchtig spielten ab sofort die alten und die jungen Maulbronner Volksmusiker miteinander, bis die Alten ihre Aufgabe erfüllt sahen. Der Musikkapelle des Maulbronner Musikvereins schien die Zukunft gesichert. Die Aufgaben, die der Musikverein übernommen hatte, wurden in der folgenden Zeit nicht leichter.

In der Reihe der Vorstände:

Wilhelm Jaberg   1923
Eugen Vogel   1924 - 1925
Paul Käfer   1926 - 1930
Wilhelm Veil   1931
Otto Hettich   1932 - 1933
Gustav Frick   1934 - 1938
Andreas Striegel   1949 - 1958
Erich Fauth   1959 - 1989
Siegfried Strobel   1989 - 2004
Werner Anderson   2004 - 2006
Frank Duss   2007

Statt Instrumente Schippe und Haue

Unter Vorstand Wilhelm Jaberg hatte der Verein alles getan, sich ein eigenes Probelokal zu schaffen. Die Mitglieder leisteten im Steinbruch freiwillige Arbeit, um die für den Bau notwendigen Steine selbst zu brechen. Sie nahmen Schippe und Haue in die Hand, hoben den Grund aus und wirkten sonst, soweit sie es vermochten, am Bau des Vereinsheimes mit. Obwohl das Heim errichtet wurde, konnte der Musikverein nicht einziehen, sondern mußte es veräußern, weil der Grund, auf dem es stand, nicht erworben werden konnte. Unter Vorstand Hettich erhielt die Kapelle erstmalig eine einheitliche Musikerkleidung. die Stadt mühte sich ebenfalls, die Kapelle zu erhalten, sie gab finanzielle Beiträge und machte sie zur Stadtkapelle.

Schwierige Zeiten

Obwohl danach Gustav Frick (Vorstand von 1934-38) alles tat, um die Kapelle zusammenzuhalten, wurde sie immer kleiner. Mehr und mehr ging sie einer krisenhaften Zeit entgegen. Obwohl innerhalb des Musikvereins keine Politik betrieben wurde, kontrollierte das NS-Regime das Repertoire und sichtete das gesamte Notenmaterial. Der Fortbestand des erst zehn Jahre alten Vereins schien in Gefahr. Doch nach anfänglichen Wirrungen und Irrungen mit politisch Andersdenkenden verstand es Gustav Frick, die Gemeinschaft im Verein und dessen Anerkennung in der Gemeinde zu erhalten.

Sechs gingen nach Amerika

Unter anderem riss auch die Auswanderung bewährter Kräfte Lücken in die Reihen der Aktiven. Sechs Musikanten gingen nach Amerika, darunter drei mit dem Familiennamen Tischhauser. Auf sieben Mann zusammengeschmolzen hielt sich dennoch die Kapelle so lange, bis die Auflösung aller Vereine auch ihr ein vorläufiges Ende setzte. Sämtliche Instrumente und das gesamte Notenmaterial wurden auf dem Rathaus zur Aufbewahrung abgegeben, bis einmal wieder ein neuer Anfang gemacht werden konnte.

Wiedergründung mit viel Idealismus

Der neue Aufstieg begann mit der Wiedergründung des Musikvereins im Dezember 1949. Es war ein Neubeginn aus dem Nichts heraus, denn von den rund 30 auf dem Rathaus hinterlegten Instrumenten waren nur noch vier übrig geblieben. Alle anderen waren der Plünderung und dem Vernichtungswillen während der letzten Kriegstage zum Opfer gefallen. Alles war verloren, nur nicht der Idealismus für die Musik. Mit diesem Kapitel ist der Verein unter der Leitung von Andreas Striegel (Vorstand von 1949-58) an den Wiederaufbau gegangen.

Aktive Musiker waren: Andreas Striegel, Paul Asperger, Eberhard Reim, Karl Hiller, Gustav Kern, Leonhard Domberger, Karl Hiller jun., Alfred Haag, Hugo Belsner, Josef Stifter, Fritz Mößner, Helmut Kieß, Eugen Bader und Rainer Kühlmann.

Den ersten Höhepunkt in der Nachkriegszeit bildete das 30 jährige Bestehen des Musikvereins im Juni 1953, das in Verbindung mit dem 60 jährigen Bestehen einer Musikkapelle in Maulbronn gefeiert wurde. Die zunehmende Aktivität innerhalb des Vereins brachte wiederum ein Problem deutlich zu Tage: da die bisherigen Probelokale nur Notlösungen waren, beschloß der Verein, endlich eine eigene Bleibe zu bauen.

h.l.   Helmut Weissert, Siegfried Gottwald, Hans Hofbauer, Reiner Kühlmann, Winfried Kühlmann.
m.l.   Horst Bader, Karl Hillersen, Gustav Kern, Fritz Krauß, Werner Schweikert, Erhard Binder, Karl Hiller jun., Leonhard Domberger, Hans Müller, Eugen Bader.
v.l.   Willi Helbig, Adolf Gottwald, Andreas Striegel, Theo Müller, Fritz Roller, Josef Stifter, Fritz Mössner.

Bau eines Vereinsheims

An den Wochentagen, abends und samstags vertauschten die Mitglieder des Musikvereins ihre Instrumente mit dem Maurerhandwerkszeug. Das Vereinsheim sollte am westlichen Ortseingang gegenüber dem Kunststeingeschäft Postl entstehen. Das Vereinsheim, das ca. 1400 Kubikmeter umfassen sollte, sollte die Form eines aus zwei Baukörpern ineinandergeschobenen Sechsecks erhalten. Durch die Eigenleistung der sich unter der Bauleitung des aktiven Musikers und Kassiers Adolf Gottwald im Wechsel an den Bauarbeiten beteiligten Mitglieder, erhoffte sich der Verein einen Großteil der Baukosten einzusparen. Einen weiteren nennenswerten Beitrag zur Finanzierung leistete die Stadt mit einem Zuschuss, der durch Spenden der Bevölkerung weiter anstieg.

1970 konnte der Musikverein kurz vor Jahresende nach zehnmonatiger harter Arbeit aller Aktiven sein Übungslokal fertigstellen. Die erste Probe hielt der Musikverein im Beisein von Bürgermeister Karl Lägler ab. In seiner Einweihungsrede führte dieser aus, das Vereinsheim sei ein echter Beitrag, das kulturelle Leben in der Stadt Maulbronn zu fördern.

Gesamtleistungen beim Bau des Vereinsheims

Die Stadt Maulbronn stellte dem Musikverein den Bauplatz für das Vereinsheim zur Verfügung und gab außerdem zu den Baukosten in Höhe von 152.240 DM einen Zuschuß von 40.000 DM. Aktive Mitglieder des Musikvereins leisteten beim Bau des Übungslokals in 6.088 Stunden freiwillige Arbeit, teilweise unter Opferung des Urlaubs, was rund 61.000 DM Lohnkosten einsparte. 307 Sachspenden unterstützten das Projekt, 21 Handwerksbetriebe und Firmen stifteten Baumaterial im Werte von 15.628 DM, die Geldspenden beliefen sich auf 16.000 DM.

Das Vereinsheim enthielt einen bewirtschafteten Gesellschaftsraum mit 70 und einen Musikraum mit 110 Plätzen. Von nun an konnte sich der Musikverein Maulbronn voll und ganz auf die musikalische Weiterbildung konzentrieren.

Erste Jugendgruppe 1966

Von 1966 bis 1969 leitete Hans Lutz die erste Jugendkapelle des Musikvereins Maulbronn. Die Jungmusiker konnten am 11. Juni 1967 bereits schon beim ersten Jugendkritikspiel unseres Kreisverbandes in Bilfingen mit Erfolg teilnehmen. Mit dem Kritikstück "Interludium" erreichten die 25 Jungmusiker damals die Note gut-sehr gut.

Zweite Jugendgruppe April 1974

Unter der Leitung von Werner Schweikert wurde im April 1974 erneut eine Jugendkapelle gegründet. Mit 18 Jungen und sieben Mädchen konnte eine erstaunlich hohe Zahl musikbegeisterter Jugendlicher in die musikalische Obhut genommen werden. Einige Aktiven hatten sich bereiterklärt, die musikalische Ausbildung in Einzel- und Gruppenunterricht zu übernehmen. Ihren ersten öffentlichen Auftritt bestritt die neugegründete Jugendkapelle am 18. Januar 1976 bei der Jahresfeier des Vereins. Als erfreulichen Nebeneffekt konnte der Verein mittelfristig seine Mitgliederzahl auf 290 steigern, denn 1979 waren es nunmehr nur noch 253 Mitglieder. Im selben Jahr wurde das Vereinsheim auch als Kindergarten umfunktioniert, als die Räumlichkeiten des städtischen Kindergartens renoviert wurden. Der damalige Vorsitzende Erich Fauth konnte in diesem Jahr sein 20 jähriges Jubiläum ununterbrochener Tätigkeit verzeichnen.

Neue Jugendgruppe Oktober 1980

Am 18. Juli 1980 wurde bei der Ausschußsitzung eine Neuaufstellung einer Jugendkapelle beschlossen. Bis 1. Oktober hatten sich dann 9 Mädchen und 5 Jungen gemeldet, die sich am Montag, den 10. Oktober, mit ihren Eltern und einigen Vorstandsmitgliedern das erste Mal trafen. Der erste Auftritt wurde bei der Jahresfeier am 31.01.1981 unter der Leitung von Dieter Schweikert absolviert.

60 jähriges Jubiläum

1983 feierte der Musikverein Maulbronn sein 60 jähriges Jubiläum über vier Tage hinweg. Mittelpunkt der Feierlichkeiten war ein großer Festumzug, bei dem rund 3500 Menschen die Straßen säumten. Während des Festabends am 25. Juni 1983 unterhielt der Musikverein Wien-Leopoldau als besondere Gastkapelle die Besucher. Einen Gegenbesuch in Wien-Leopoldau machte das Orchester des Musikvereins in der Zeit vom 28. September bis 1. Oktober 1984.

Kurz und Knapp

In den letzten 14 Jahren stieg die Mitgliederzahl bis April 1998 auf 329 an, und der Musikverein verzeichnete kontinuierliche Probenarbeit bei Jugend und Blasorchester, was er immer wieder bei repräsentativen Auftritten für die Stadt Maulbronn, bei Stuhlkonzerten und Jahresfeiern unter Beweis stellt. Auch die Kameradschaft in den Kapellen, der Zusammenhalt bei der Renovierung der Vereinsschänke 1996, die hohe Einsatzbereitschaft der passiven Mitglieder und die große Anzahl junger aktiver Musiker lassen den Verein auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen.

Auch mit der Umbenennung des Musikvereins in Stadtkapelle Maulbronn e.V. im Mai 2004 wurde ein wichtiger Schritt getan um den Erhalt des Vereins langfristig zu sichern.

Musikverein Maulbronn im Wandel der Zeit

So lange wie die Welt sich dreht
das eine kommt, das andere geht.

Musik schwimmt mit, im Strom der Zeit
Musik fürs Herz in Freud und Leid.

Mal frisch und frei, auch ganz ergreifend
Musik, ein Melodienreigen.

Kennt keine Grenzen, keinen Raum
Musik erfüllt uns wie ein Traum.

Der großen Meister, große Werke
sie schallen über Tal und Berge

Musik wird immer neu geschrieben,
ist auch dem Alter treu geblieben.

Ich mein und sag, das beste Stück,
ist die Maulbronner Blasmusik!


Gedicht von Irmgard Frank